Stille Hunde
„Der Drachentöter“
Nicht nur die Kunst erleidet beträchtlichen Schaden, sondern auch die Akteure, die sich nicht nur an Drachenatem, gut beheizten Jungfrauenfelsen und heißer Liebe die Finger verbrennen.
Nach dem Nibelungenlied und anderen nordischen Sagen,
mit Stefan Dehler und Christoph Huber, Musik von Leon Hast.
Dass Kunst allein nicht satt macht, davon kann der Wandertheaterbetreiber Kniff ein Lied
singen. Ja, die brotlose Kunst wird bei ihm zur Stütze eines einträglicheren Gewerbes –
eine notwendige Dreingabe zu den Dingen, die er verhökert. Das Theater muss herhalten, um
schlichten Schnaps und gekochte Eier an den Mann und die Frau zu bringen. Also steht die
Sage vom Ursprung dieser als lebensverlängernd angepriesenen Köstlichkeiten auf dem Spielplan. Gespielt wird – und das ist Kniff seinem Ego schuldig – nur Hochkultur. Die alte Erzählung vom Recken Siegfried, seinem Kampf gegen den Drachen, der Erwerb eines Goldschatzes und der anschließende Aufstieg zu Ritterehren und Prinzenwürde ist gerade gut genug für sein Talent. Herr Kniff bringt also – natürlich in eigener Textfassung – Welthistorie auf die Bühne. Normalerweise tut er das mit sich selbst als einzigem, den Anforderungen der großen Rollen genügenden Darsteller. Genau genommen bleibt ihm auch nichts anderes übrig, denn seine Truppe ist durch seinen rüden Umgang mit Personal auf einen einzigen Mitarbeiter geschrumpft, den im Oberstübchen nicht gerade hellen Herrn Schalentier. Der hat eigentlich nur die Bühne zu fegen, Kaffee zu kochen, den Vorhang auszubürsten und seinem Chef alle Wünsche von den Lippen abzulesen. Nur ab und zu, wenn es gar nicht anders geht, darf er neben dem Meister auf den Brettern stehen – als Stichwortgeber. Aber es kommt der Tag, wo er dem Sklavendasein entkommt, zumindest für eine Stunde im Reich der Fantasie. Denn in der Rolle des Helden Siegfried nimmt er das Schwert in die Hand und damit die Macht über beinahe alles, was auf dem Theater geschieht. Dass das nicht ohne Blessuren abgeht, versteht sich selbst.
Veranstaltungsort : Meurer-Scheune
Datum : 06.10., 20.00 Uhr
